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DIONYSOS – EIN GOTT MIT VIELEN GESICHTERN

Am Dionysosweg sind nicht nur die Vielfalt der Früchte des Weinviertels genießbar, sondern auch die Ursprungsmythen des Weines – die Mythen über den griechischen Gott Dionysos, den rasanten Gott der ambivalenten Feste, sinnlich erfahrbar. Er bietet somit eine ideale Möglichkeit des Einstieges in das Schaffen von Hermann Nitsch, dessen Werk starke Bezüge zur griechischen Mythologie sowie zur Weinviertler Landschaft enthält.

Dionysos ist ein Gott mit vielen Gesichtern. Er ist der antike Gott des Weines, der Vegetation, der Frauen und des Theaters, bekannt auch für seine ausschweifenden Feste und Orgien. Die Heimat des Gottes Dionysos ist Griechenland, Ursprünge des Mythos finden sich in Kleinasien. Die Römer verehrten ihn als Bacchus. Als ein Sohn des Göttervaters Zeus wurde er von Hera, der eifersüchtigen Gattin des Zeus verfolgt, und durchwanderte er mit Wahnsinn geschlagen in Begleitung wilder Satyrn (Waldgeister) und Mänaden (wilde Weiber) die Welt. Als jüngster Gott stieg er in den griechischen Götterhimmel, den Olymp, auf. So zahlreich wie seine Namen und Beinamen sind auch die Geschichten über ihn.

Dionysos wichtigste Leistung war die Verbreitung des Weinbaus. Er gilt aber auch als Gott der ungebändigen, wilden Natur. Das Wachsen, Reifen und Vergehen der Natur im Wechsel der Jahreszeiten steht im Kontext zu Dionysos als Gott des Todes und Auferstehungen, die sich in der Jährlichen Wiederkehr des Gottes widerspiegeln. Die Ursprünge des antiken Theaters liegen im Dionysos Kult. Zu Ehren des Gottes Dionysos wurden in Athen „Dionysien” gefeiert. Hierbei wurden Wettkämpfe von Tragödiendichtern ausgetragen. Die Schauspieler trugen dabei Masken. Masken galten, wie auch Weinranken und Efeu sowie der zapfenbekrönte, umrankte „Thyrosstab”, als Symbol des Dionysos.

„'Dionysos' Auftreten kann verstanden werden als Einladung in die Tiefen der menschlichen Existenz zu blicken. Unter seinem Einfluss bricht die scheinbare Welt zusammen und kann den Weg für grundlegende und tiefe Wandlungsprozesse eröffnen. Dionysische Erfahrungen führen zu einem Zustand der Ekstase. Überwältigt von Gefühlen, die rational nicht begreifbar sind wird das Individuum in Grenzbereiche katapultiert. Diese Grenzbereiche sind oftmals begleitet von tiefen und schmerzlichen Gefühlen. Versteht man Grenzbereiche als Erweiterung von Realität, so gilt es vor Augen zu haben, dass Erfahren und Durchleben dieser Dimension zu einer erweiterten Bewusstseinsebenen führen kann” (Leif Dag Blomkvist: Wenn Dionysos die Lebensbühne betritt)